{"id":53,"date":"2004-03-22T16:56:55","date_gmt":"2004-03-22T15:56:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/Deutsch\/?p=53"},"modified":"2019-08-04T18:15:05","modified_gmt":"2019-08-04T16:15:05","slug":"flekkicht-fur-barockorchester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/flekkicht-fur-barockorchester\/","title":{"rendered":"flekkicht f\u00fcr Barockorchester (2004)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Besetzung: <\/strong>2 Fl (2.+Picc) 2 Ob (2.+Ob da caccia) Fg 2 Hr Cemb (Laute ad lib.) Streicher 4-4-2-2-1<\/p>\n<p><strong>Verlag:<\/strong> <a title=\"Schott Music\" href=\"https:\/\/de.schott-music.com\/shop\/flekkicht-no176689.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schott Music<\/a><\/p>\n<p><strong>Dauer: <\/strong>ca. 14 Minuten<\/p>\n<p><strong>UA: <\/strong>27.8.2005, Lucerne Festival, Freiburger Barockorchester<\/p>\n<p><strong>Weitere Auff\u00fchrungen:<\/strong><\/p>\n<p>3.09.2005, Erlangen (Deutsche EA)<br \/>\n5.09.2005, Berlin (Philharmonie)<br \/>\n16.10.2005, Dortmund (Konzerthaus)<br \/>\n18.11.2005, Huddersfield (Britische EA)<\/p>\n<p><strong>Rundfunksendungen:<\/strong><\/p>\n<p>RBB 14.9.2005, NDR 5.10.2005 (Ausschnitt), YLE Finnland Mai 2006, NRK Norwegen 18.3.2007,<br \/>\nORF 5.4.2007, WDR 18.10.2008 (Ausschnitt), RBB 6.10.2010, YLE Finnland 6.9.2011<\/p>\n<p>Auftragswerk des Siemens Arts Program und des Freiburger Barockorchesters (FBO) im Rahmen des Projekts ABOUT BAROQUE \u2013 Eine Initiative des Siemens Arts Program in Kooperation mit dem Freiburger Barockorchester und dem Lucerne Festival<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/hnum\/8344715\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CD: Harmonia Mundi France (\u201eabout baroque\u201c)<\/a><\/p>\n<p><strong>Werkeinf\u00fchrung:<\/strong><\/p>\n<p>Der flekkichte Oktober<br \/>\nhat alles bundt vermahlt \/<br \/>\nmit Oepffeln au\u00df Zinober<br \/>\ndie reiffe Ceres brahlt.<br \/>\nSylvan f\u00fcllt seine Schl\u00e4uche \/<br \/>\nMercur m\u00e4ngt Pflaumen-Brey \/<br \/>\nschon schallt durch Pusch und Str\u00e4uche<br \/>\nDianens Jagd-Geschrey<\/p>\n<p>Arno Holz, aus: Dafnis (1904)<\/p>\n<p>flekkicht ist ein im urspr\u00fcnglichen Sinn des Wortes barockes St\u00fcck: vielgestaltig, bisweilen pathetisch, verschn\u00f6rkelt, manchmal skurril, schwankend zwischen sinnlicher Kraft und Verzagtheit.<br \/>\nDamit reflektiert die Partitur auch die komplexen, teils unsystematischen und jedenfalls \u00e4u\u00dferst vielschichtigen \u00dcberlegungen, die mich bei der Vorarbeit und Ausf\u00fchrung dieses Projekts f\u00fcr ein barockes Orchester begleiteten. Von Anfang an war mir klar, da\u00df es nicht damit getan sein k\u00f6nnte, meine derzeitige kompositorische Sprache und Technik schlicht auf das &#8222;historische&#8220; Instrumentarium zu \u00fcbertragen. Die Problematik beginnt schon bei Koordinationsfragen: kaum ein zeitgen\u00f6ssischer Komponist w\u00fcrde wohl ein St\u00fcck f\u00fcr ein gut zwanzigk\u00f6pfiges Ensemble ohne Dirigenten konzipieren. Die M\u00f6glichkeiten der Instrumente sind andere \u2013 teils eingeschr\u00e4nkt, teils erweitert \u2013, viele Standards zeitgen\u00f6ssischer Klangerzeugung lassen sich darauf nicht oder nur in modifizierter Form realisieren. Vor allem aber handelt es sich um ein Instrumentarium, das f\u00fcr und mit ganz anderer Musik entwickelt wurde, und \u2013 noch viel wichtiger \u2013 es handelt sich um Musiker, die ganz (?) anders mit dem Notentext umzugehen gewohnt sind als konventionelle Orchestermusiker und auch als Instrumentalisten in Ensembles f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musik.<br \/>\nDer kompositorische Proze\u00df war also \u00fcberlagert vom st\u00e4ndigen Gedanken an die heutige interpretatorische Praxis bei der Auff\u00fchrung von Musik des 17. und 18. Jahrhunderts: das Erschlie\u00dfen von Artikulation, Dynamik und Klangfarbe aufgrund weniger und oft widerspr\u00fcchlicher Anhaltspunkte; die F\u00e4higkeit und auch Notwendigkeit, den Notentext zu erg\u00e4nzen, zu variieren, weiterzudenken; der Mut und die Herausforderung, sich auf gewagte, heutige Interpretationen einzulassen und dabei trotzdem so &#8222;historisch&#8220; zu empfinden, wie es nach Ma\u00dfgabe des Wissens \u00fcber die \u00c4sthetik und Auff\u00fchrungspraxis barocker Musik m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>flekkicht verlangt von den Musikern ein entsprechend aktives, eingreifendes Umgehen mit der Partitur. Gerade Anweisungen zu den &#8222;sekund\u00e4ren&#8220; Parametern wie Dynamik, Artikulation und Klangfarbe, die in zeitgen\u00f6ssischer Musik oft extrem differenziert ausnotiert sind, fehlen weitgehend. Praktiken \u00e4lterer Musik \u2013 wie der streckenweise Einsatz der Ba\u00dfinstrumente als Continuogruppe mit einer gemeinsamen Stimme \u2013 und Freiheiten in der Ausf\u00fchrung etwa von Punktierungen, Ornamenten etc. durchziehen das gesamte St\u00fcck.<\/p>\n<p>Zugleich ist der dramaturgische Ablauf weit st\u00e4rker durch Reihung als durch Entwicklung gepr\u00e4gt. Wenngleich es zu weit gehen w\u00fcrde, flekkicht als &#8222;Suite&#8220; zu bezeichnen, kann man sogar Rudimente von rhythmischen Modellen finden, die an barocke Tanzs\u00e4tze erinnern.<br \/>\nDas St\u00fcck beginnt mit einem Cembalosolo, das die Faszination frei notierter Cembalomusik des 17. Jahrhunderts aufgreift und auch auf das Orchester \u00fcbertr\u00e4gt, dessen sparsame Eins\u00e4tze jeweils einzelne T\u00f6ne des Cembalos &#8222;verl\u00e4ngern&#8220;. In diese intime Situation f\u00e4hrt ein ruppiger Abschnitt von schlichter Natur, der sich jedoch bald in intrikate \u00dcberlagerungen aufl\u00f6st. Das folgende, zentrale St\u00fcck mit Solo-Oboe und \u2013Violine ist erneut sehr viel freier notiert und tr\u00e4gt den manieristischen Titel &#8222;La Sarabande enterr\u00e9e&#8220;. Aus den klein besetzten Soloabschnitten dieses Teils geht ein kammermusikalisches Intermezzo hervor. Der umfangreiche Schlu\u00dfabschnitt, der ungeniert deutlich eine franz\u00f6sische Ouvert\u00fcre nachbildet, kehrt zu stark motorischen Texturen zur\u00fcck, die sich jedoch gleichsam schlechten Gewissens verfl\u00fcchtigen und in einen fein verstummenden Ausklang \u00fcbergehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besetzung: 2 Fl (2.+Picc) 2 Ob (2.+Ob da caccia) Fg 2 Hr Cemb (Laute ad lib.) Streicher 4-4-2-2-1 Verlag: Schott Music Dauer: ca. 14 Minuten UA: 27.8.2005, Lucerne Festival, Freiburger Barockorchester Weitere Auff\u00fchrungen: 3.09.2005, Erlangen (Deutsche EA) 5.09.2005, Berlin (Philharmonie) 16.10.2005, Dortmund (Konzerthaus) 18.11.2005, Huddersfield (Britische EA) Rundfunksendungen: RBB 14.9.2005, NDR 5.10.2005 (Ausschnitt), YLE Finnland&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,5],"tags":[],"class_list":["post-53","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-orchester","category-werkverzeichnis"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1425,"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions\/1425"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.benjamin-schweitzer.de\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}