Texte: Francesco Petrarca, Martin Opitz

Besetzung:

Solofagott
Chor SSAATTBB
(Chorstärke: 2 bis 4 Sänger je Stimme, also 16 oder 32 insgesamt)

Aufführungsdauer: ca. 13′

Verlag: Schott Music (in Vorbereitung)

UA: 23./24.11.2013, Bad Ems/Koblenz, Collegium Vocale Koblenz, Nikolaus Maler (Fagott), Leitung: Manfred Faig

Auftragswerk des Collegium Vocale Koblenz e.V.

Werkeinführung:

Sonett basiert auf zwei kompositorischen Grundideen: Zum einen stand gleich zu Beginn der Arbeit der Gedanke, Soloinstrument und Chor weitgehend miteinander zu verschmelzen. Chorsatz und Solofagott treten wechselseitig in den Vorder- oder Hintergrund und bilden füreinander eine Art „Echoraum“, in dem Klänge aufgegriffen und weiterverarbeitet werden. So entsteht aus der Horizontale der Fagottstimme eine harmonisch-vertikale Ebene, während sich umgekehrt aus der Harmonik des Chorsatzes lineare Strukturen für die Fagottstimme herauslösen. Eine Aufführung in Räumen mit längerem Nachhall, also z.B. Kirchenakustik, ist für dieses Stück also besonders günstig.

Die zweite Kernidee entstand mit der Textsuche: einerseits wollte ich keine „Textvertonung“ im konventionellen Sinn, andererseits suchte ich doch nach einem sprachlichen Material, das der Komposition einen gewissen Halt gibt (anstelle einer Arbeit, die sich völlig abstrakt etwa nur auf Phoneme bezieht). Dabei stieß ich auf die barocke Nachdichtung, die Martin Opitz zu Petrarcas berühmtem 132sten Sonett angefertigt hat, und entschloß mich, jeweils die letzten beiden Strophen dieser Sonette in Original und Übersetzung teils abwechselnd, teils ineinandergreifend oder -übergehend zu verwenden. So entspricht der Umgang mit dem Text demjenigen mit dem „Instrumentarium“: Auftrennung, Neukombination und Verschmelzung von Elementen.

Nur einzelne deutlich hörbare Textzeilen oder -Fragmente tauchen gleichsam wie verweht aus einem fast durchgehenden Klangband auf, dessen Material in den Chorstimmen jedoch durchgehend aus den Textvorlagen abgeleitet ist. Solche besonderen Momente gliedern die Form des Stückes, das aus insgesamt sechs Abschnitten besteht, die weitgehend bruchlos aneinander anschließen. Damit ist, gewissermaßen im Hintergrund der musikalischen Konzeption, ein madrigal-artiges Vorbild zu erahnen. Die Grundhaltung des Stückes ist dabei (trotz der sehr genau disponierten Struktur) eine des leicht melancholischen Suchens und Schweifens, wie sie auch den beiden an sich selbst zweifelnden Gedichten der Vorlage zu eigen ist.

Textmaterial:

Francesco Petrarca

Canzoniere, Sonett 132

(…) a gran torto mi doglio.
Fra sí contrari vènti in frale barca
mi trovo in alto mar senza governo,

sí lieve di saver, d’error sí car[i]ca
ch’i’[o] medesmo non so quel ch’io mi voglio,
et tremo a mezza state, ardendo il verno.

Martin Opitz
Sonnet XXI.
Francisci Petrarchae.

(…)
Ich wancke wie das Graß so von den kühlen Winden
(…) bald hin geneiget wird / bald her:
Ich walle wie ein Schiff das durch das wilde Meer

Von Wellen vmbgejagt nicht kan zu Rande finden.
Ich weiß nicht was ich wil / ich wil nicht was ich weiß:
Im Sommer ist mir kalt / im Winter ist mir heiß.