für Oboe, Fagott und Klavier

UA: Hamburg, 14.9.2006 (Trio Poulenc)

Verlag: Schott Music

Dauer: ca. 10 Minuten

Auftragswerk des Trio Poulenc, gefördert durch die Deutsche Stiftung Musikleben

Werkeinführung:

Die in der italienischen Renaissance entwickelte Maltechnik des chiaroscuro diente zur Verstärkung von Kontrasten und Tiefenwirkungen. Die Idee dieser Technik wollte ich in Klar/Obskur auf die nicht sehr gewöhnlichen Besetzung von zwei Doppelrohrblattinstrumenten und Klavier übertragen. Einerseits ist trennscharfer, plastisch artikulierter Klang für diese Instrumenten charakeristisch, andererseits besitzen sie oft unterschätzte Fähigkeiten im „Zwielicht“: Luftgeräusche und brüchige oder verwaschene Farben haben gerade bei den (im Vergleich zu Flöte und Klarinette nur scheinbar weniger differenzierten) Doppelrohrinstrumenten einen besonderen Reiz. Auch das Klavier besitzt mit der Bandbreite zwischen perkussiven und zarten Gesten vielfältige Möglichkeiten, die Blasinstrumente zu ergänzen; umgekehrt können diese den schnell verwehenden Klavierklang auffangen und weitertragen.

Der Anfang des Stückes exponiert die beiden kontrastierenden Grundelemente, durch die das Stück geprägt ist: Ein klarer, scharfer Akkord, dem brüchige, abgedunkelte Klänge folgen. Die Wechsel zwischen diesen Elementen und ihre Kombination und Vermischung ergeben eine enorme Bandbreite von Farben und Gesten. Nach dieser „motto-artigen“ Einleitung folgen vier kürzere Abschnitte, die jeweils von einer klar umrissenen Textur geprägt und durch relativ deutliche Einschnitte getrennt sind: eine anfangs fast unhörbare „Luft“-Passage, ein kurzes Innehalten auf engen Raum mikrointervallisch umspielter Töne, ein virtuoser Ausbruch sowie ein Rückgriff auf die brüchigen Klänge des Beginns. Der zweite, längere Großabschnitt besteht dagegen aus drei fast unmerklich ineinander übergehenden Sektionen: eine kurze, federnd überschriebene unisono-Geste wird in ihre Einzelteile aufgelöst; aus deren Resten entsteht eine Gegenüberstellung von tiefen, ‚obskuren‘ Klängen in Fagott und Klavier und einer komplex ornamentierten melodischen Oboenline, aus der sich ein kurzer, aber kraftvoller Ausbruch in extremer Höhenlage ergibt. Es folgt ein längerer, leichter und entspannter Epilog, in dem ein kurzes Solo des Klaviers mit einem Duo von Oboe und Fagott korrespondiert und ganz am Ende nochmals ein Rückgriff auf die „federnde“ Gestik des Mittelabschnitts aufscheint.